Reseña del libro "Galilei"
Galileo Galilei gilt als der Mann, der den Himmel vermessen hat. Kaum ein Bild der Wissenschaftsgeschichte ist so vertraut und zugleich so ungenau wie das des einsamen Forschers, der sich der Kirche entgegenstellt. Dieses Buch erzählt die Geschichte anders. Es beginnt mit einem Rohr aus Holz und zwei Linsen, mit dem Galilei 1609 den Himmel betrachtete, und es fragt, was geschieht, wenn ein Instrument einem Menschen etwas sehen lässt, das zuvor niemand gesehen hat.Anhand der Beobachtungen, die in den Sidereus Nuncius von 1610 eingingen, der Berge auf dem Mond, der unzähligen Sterne in der Milchstraße und der vier Monde des Jupiter, zeigt es, wie aus einer bloßen Verschiebung des Sichtbaren ein Beweis werden sollte. Galileis eigentlicher Bruch war eine neue Beweispraxis: die Verbindung aus Instrument, Messung und mathematischer Idealisierung, die aus einer Vermutung überprüfbares Wissen macht. Die Natur, so seine Überzeugung, ist ein Buch, das in der Sprache der Mathematik geschrieben ist.Zugleich zeichnet das Buch den Konflikt nach, der 1633 im Prozess mündete, ohne das einfache Schema von Wissenschaft und Kirche zu übernehmen. Erzählt wird von der Verteidigung des kopernikanischen Weltbildes im Brief an die Großherzogin Christina von Lothringen 1615, von der stillen Warnung des Jahres 1616, von dem Dialog über die beiden Weltsysteme und dem persönlich gekränkten Papst Urban VIII., von den Verhören, der Abschwörung und dem langen Hausarrest in Arcetri. Es trennt Legende von Beleg: Der Satz und sie bewegt sich doch ist nicht überliefert, und die Kugeln vom Schiefen Turm zu Pisa sind eine spätere Erzählung.Was von Galilei bleibt, ist nicht der Mythos vom Märtyrer der Vernunft, sondern eine Art, Wissen zu gewinnen, die bis in die Gegenwart wirkt, von der Astronomie über die Modellbildung bis zu der Frage, wann ein Instrument die Wirklichkeit zeigt und wann es sie verzerrt. Read more